Sonntag, 13. September 2009

Kyela - Die Anfahrt

Das absolute Verkehrschaos, welches uns zu dieser frühen Stunde auf Dar es Salaams Straßen erwartete, war atemberaubend. Für eine Strecke von ca. 5 min Fahrt haben wir geschlagene 25 min gebraucht. Die zwei Straßen, die wir fahren mussten, waren KOMPLETT verstopft. Es war absolut beeindruckend zu sehen, was sich zu so früher Stunde auf den Straßen Dar es Salaams abspielt. Überall Autos, Busse und LKWs mit dem gleichen Ziel - Ubungo. Sie fuhren ausschließlich durch sich selbst reguliert - also gar nicht - drauf los, immer wieder heftiges Gas geben für eine Strecke von einem vielleicht zwei Metern, damit der Platz nicht von einem anderen Auto weg geschnappt wird, gefolgt von einer Vollbremsung, um nicht mit dem Vordermann zu kollidieren.
Auch das Chaos auf dem imens großen "Busbahnhof" war unglaublich. Überall irrten Menschen mit Gepäckstücken in den Händen oder auf den Köpfen zwischen den quer durcheinander fahrenden Autos und Taxis umher. Ein Meer an parkenden Bussen verstopfte den "Busbahnhof" bis zum Überfluss. Wo man noch ein kleines Plätzchen hätte erhoffen können, wurden Verkaufsstände mit Getränken und Snacks aufgestellt. Für uns glich dieses Bild dem puren Chaos, für den Tansanier schien dies ein ganz normales Bild - unser Taxifahrer manövrierte uns mit reiner Selbstverständlichkeit durch dieses Durcheinander, unser Chef saß mit beeindruckender Gelassenheit auf dem Beifahrersitz, gerade so über den sich auf seinem Schoß befindlichen Koffer und seine Aktentasche blickend.

Nachdem wir in diesem Durcheinander unseren sehr bunten Bus gefunden haben, luden wir unser Gepäck ein und sind in den Bus gestiegen. Uns entgegnete heftiger Kitsch in Form von sehr bunt gemusterten Sitzbezügen und Bodenteppichen, sowie Rüschen-Satin-Gardinen, soweit das Auge reichte. In diesem Bus gab es zwei Sitzreihen. Auf der rechten Seite (hinter dem Fahrer) befand sich eine dreier Reihe und auf der linken eine zweier Reihe. Die Sitze waren sehr schmal und wurden im Laufe der Fahrt an den verschiedenen Haltestellen versucht so gut es geht auszunutzen. Am Rücken des Fahrers befand sich an eine Wand montiert ein riesiger Sony Flachbildschirm, auf welchem während der gesamten Fahrt ein Entertainment Programm ausgestrahlt wurde.

Anna und ich hatten das Glück (in mancher Hinsicht auch Pech) in der ersten Sitzreihe links Platz nehmen zu dürfen. Wir hatten entsprechend angenehme Beinfreiheit, konnten jedoch auch die waghalsigen Fahrmanöver des Busfahrers live miterleben: Auf Tansania's Straßen wird ganz in Formel-1 Manier die optimale Straßenlage ausgefahren. Durchfährt man eine Kurve, so wird diese sehr strikt auf der Innenseite der Kurve genommen, ganz gleich, ob man den Gegenverkehr gut beobachten kann oder nicht.... Auch während eines Überholvorgangs kann es durchaus mal sein, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug etwas stärker abbremsen oder gar ausweichen muss! Die gesamte Fahrt wird so viel wie möglich unter Vollgas gemacht, stellt sich einem jemand oder etwas in den Weg, wird lediglich wie wild auf der Hupe rum gedrückt, vom Gas geht man hier nur im allergrößten Notfall, so zumindest vermittelt es die Fahrweise.

Die erste knappe Stunde unserer Fahrt haben bis auf ein paar Ausnahmen in stehendem Zustand verbracht - so lange nämlich dauerte es den Bus aus dem Gelände des Busbahnhofs Ubungo raus zu manövrieren.... Kaum auf der Straße wurde das Entertainment Programm zunächst in Form von Michael Jackson Musikvideos gestartet. Auf potentielle zukünftige Gehörschäden wird keine Rücksicht genommen, die Lautstärke des Fernsehers wurde nahezu an sein Maximum getrieben - allgemein scheint es in Tansania der Fall zu sein, Musik- und Fernsehapparate lieber etwas zu laut, als zu leise einzustellen.

Dank unserer Sitzplätze hatten Anna und ich durch die Front- und Seitenscheiben gute Sicht auf die Landschaft.
Blickte man aus den Fenstern, hat man in Dar es Salaam und kurz dahinter entlang der Straßen das dort herrschende Elend - so zumindest von meinen Augen aus empfunden - sehr stark sehen können. Dies im Kontrast zu den Michael Jackson Videos die uns in unerträglicher Lautstärke beschallten war unfassbar.
Überall türmte sich der Müll, da es in Tansania scheinbar keine Müllabfuhr gibt, auch Mülleimer als solche werden nicht genutzt. Der Müll wird auf die Straße oder in den Vorgarten geworfen und angezündet, sobald es 'zu viel' wird. Menschen leben neben der Straße zwischen dem Müll in kaum intakten Lehmhütten unter den einfachsten Verhältnissen.
Immer wieder entlang der gesamten Strecke fand man einzelne oder kleine Lehmhüttensiedlungen ganz nah an der Straße, im Hintergrund dazu wunderschönes Afrika-Panorama: Ananasplantagen, weitläufiges und karges Gelände, Berge, roter Sand.

Nach fast 16h ruckeliger Fahrt mit nur 3 kurzen(!!!) Pausen (an den Haltestellen, gab es keine Gelegenheit für uns, kurz aus dem Bus zu steigen, viel zu schnell wurden die Fahrgäste aus dem Bus gelassen und neue wieder rein) war es soweit:

Herzlich Willkommen in Kyela!

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