
Grundriss des Hauses
Während des Vorbereitungsseminar, welches wir Anfang August in Glücksburg an der Ostsee hatten, wurde Anna und mir mitgeteilt, wie unsere Wohnsitutation in Tansania sein wird. Dies war bis zu dem Zeitpunkt unbekannt.
Wir rechneten damit, für 1 Jahr in einer Familie zu leben. Tanja N. teilte uns jedoch mit, dass man für uns ein leer stehendes Haus gemietet hätte, in welchem wir das Jahr über wohnen würden. Das Haus wäre unmöbliert und man würde versuchen für unsere Ankunft 2 Betten und zumindest einen Tisch besorgt zu haben, damit wir die ersten Nächte nicht in einem vollkommen leeren Haus leben müssten.
Nun hat unser Chef Simon dieses Problem anders gelöst, indem die Möbel erst angeschafft wurden, als wir angekommen waren, um sie gemeinsam mit ihm auszusuchen, und uns deswegen bei sich untergebracht. Natürlich sehr neugierig darüber wie wir wohnen würden, haben wir unseren Chef gefragt. Dieser sagte uns dann, dass die Menschen, die bisher in dem Haus lebten erst noch ausziehen müssten, bevor wir einziehen könnten. Der Auszugstermin wurde täglich verschoben, bis wir uns am Mittwoch (02.09.09) abend endlich anschauen konnten, wo wir wohnen würden! Zusammen mit einem Lieferanten, der unsere Betten und Möbel in das Haus gebracht hat, sind wir die 30 min Fußweg zu unserem Haus gegangen.
Da in den vergangenen Jahren einige Freiwillige teilweise in Häusern ohne fließend Wasser und Strom gelebt haben, bin ich die erste Besichtigung meiner zukünftigen Wohnstätte in Tansania mit entsprechender Erwartungshaltung angegangen.
Als wir vor dem Haus standen, waren wir nahezu entsetzt: Als erstes berüßte uns eine riesige Satelliten-Schüssel, die vor dem freistehendem Haus im 'Vorgarten' befestigt wurde. Um das Haus herum brachliegendes Land, voller Müll, Gestein und Schrott. Die Eingangstreppe des Hauses war mit aufwendigen Fliesen besetzt, die im Flur von rostbraunen hochglanz Fliesen abgelöst wurde. Der erste Raum, direkt rechts vom Flur, war voll mit Säcken unbekannten Inhaltes, auf dem Holzlatten und ein auseinander gebautes Bett lag. Der nächste 'Raum' war mit einem Kühlschrank, Eßtisch mit 4 Stühlen und einer Geschirr-Komode voll ausgestattet. Von diesem Eßzimmer durch einen offenen Durchgang zwei Stufen hinunter gehend kommt man in das sehr lang gezogene Wohnzimmer, welches mit Sofa-Sitzmöglichkeiten für 16 Leute, 2 Couch-Tischen, 1 Geschirr-Komode, 1 weiteren Kühlschrank, 2 leeren Regalen, 1 Fernseher und 1 Video-Recorder quasi überfüllt war. Der Eingangsflur ist auf der Hälfte mit einem weiteren Flur verbunden, von welchem wiederum 4 Zimmer abgehen, sowie am Ende links eine verwinkelte Ecke in welcher sich 2 Toilettenräume und ein kleiner Abstellbereich befinden.
Das erste Zimmer links war mit einem Tisch, einigen Hockern und allem nötigen Küchenmaterial im tansanischen Sinne voll ausgestattet. Das hier gegenüberliegende Zimmer schien voll mit Kisten, Koffern und Matratzen als Rümpelkammer genutzt zu werden. Die verbleibenden beiden Zimmer waren teilweise leer - man sah, dass diese noch komplett leer geräumt werden sollten, wie es uns schließlich auch gesagt wurde. Von dem wesentlich größeren Zimmer der beiden ging noch eine dritte Toilette (eine westliche Toilette!!!) ab. Ein Badezimmer und Waschbecken suchte man vergeblich.
Das Haus ist mit Elekrizität ausgestattet, Wasser bekommen wir aus dem Brunnen vor dem Haus.
Mit all diesen Eindrücken sind wir zurück zu dem Haus unseres Chefs gebracht worden, wo wir diese erst mal sacken lassen mussten.
Die allerdings größte Frage, die sich mir stellte: Warum stehen in einem eigentlich leer-stehenden Haus so viele Möbel? Wo kommen die her? Wie sollen die über Nacht bis 14 Uhr am nächsten Tag leer geräumt, auseinander gebaut und aus dem Haus geschaffen werden?
Als wir am nächsten Tag um 14 Uhr das Haus mit dem Tischler, der die Betten zusammen bauen sollte, erreichten, waren die leer geräumten Regale links und rechts des Fernsehers im Wohnzimmer wieder voll. In dem Eßzimmer stand auf der Kommode ein weiterer Fernseher - das Haus wurde voller und nicht leerer.
Die beiden Zimmer, die wir beziehen sollten, waren jedoch komplett leer. Die Küche nicht. Uns stellte sich als erstes die Frage: Wohin mit unseren Küchensachen?
Zunächst galt es aber zu bestimmen wie die Betten in den Zimmern aufgebaut werden sollten.
Während die Betten zusammen gebaut wurden, stellte uns Simon Mama Jimmy vor.
Mama Jimmy ist die Besitzerin des Hauses - ihr Eheman Mzee Jimmy kam später noch dazu - ist 60 Jahre alt und vor kurzem in Ruhestand getretene ausgebildete Lehrerin, die schließlich für das Bildungsministerium arbeitete. Sie hatte sich auf Bitten unseres Chefs auch darum gekümmert eine "Haushälterin" für uns zu finden, die uns ebenfalls vorgestellt wurde.
- Es ist allgemein üblich und wird auch erwartet, dass weiße eine Haushälterin haben. Da der Herd mit Holz bzw. Kohle befeuert wird, die Wäsche von Hand gewaschen und das Wasser aus dem Brunnen geholt werden muss ist es schwierig bei einem 8-Stunden-Arbeitstag und Sonnenuntergang um 18 Uhr all diese Arbeiten selbst zu erledigen. -
Nachdem unsere Betten aufgebaut wurden und jeweils ein Sofa aus dem Wohnzimmer in unsere Zimmer getragen wurden, gingen wir zurück zu unserer bisherigen Unterkunft, um unsere Taschen und Koffer zu packen. Da alle Räume, bis auf die unseren noch voll eingerichtet waren, mussten wir unseren großen Tisch und sämtliche Haushaltsgegenstände in unseren Zimmern unterbringen.
Abends haben Anna und ich als erstes recht euphorisch unsere Koffer auf den Sofas und unserem großen Tisch ausgebreitet. In meinem Zimmer, das größere, was Anna mir überlassen hat, ist noch eine kleine Kommode mit Spiegel und Schubladen gelassen worden, die wir benutzen dürfen. Hier konnten wir wenigstens die meisten kleinen Gegenstände und eine abschließbare Wertsachen-Schublade einrichten. Es war uns ganz egal, dass wir noch keine Regale hatten. Wir waren ENDLICH angekommen, das Leben aus dem Koffer hatte ein Ende. Das nun herrschende Chaos war uns für den Moment gleichgültig. Es zählte nur das Gefühl endlich vollends angekommen zu sein!
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