Dienstag, 8. September 2009

Dar es Salaam (19.8. - 30.8.2009) - die Wohnbedingungen

Während unseres Vorbereitungsseminars in Dar es Salaam haben wir den obersten Stock eines der Uni-Wohnheime für 11 Tage bewohnt. Auf diesem Stockwerk befanden sich 10 Doppelzimmer, wovon jeweils eins von Tanja, der Geschäftsführerin der DTP sowie Mohammed, unserem Kisuaheli-Lehrer für das Seminar, bewohnt wurden, auf die übrigen acht haben wir 16 Freiwillige uns verteilt. Ich teilte mir zusammen mit der Mitfreiwilligen Tanja ein Zimmer.

Nach unserer Ankunft haben wir alle von Tanja N. ein Mosquitonetz bekommen, welches wir schnell mittels einer quer durchs Zimmer gezogenen Schnur über unseren Betten angebracht haben. Tanja und ich hatten das 'Glück', dass wir unsere Netze täglich neu anbringen mussten, da sich unsere Halterungskonstruktionen leider täglich verabschiedeten und wir somit entweder eines der Netze quer durch das Zimmer verteilt wieder fanden, das Licht nicht mehr funktioniert oder gar die ganze Lampe dem Boden entgegen kam. Da Tansanier nicht all zu groß zu sein scheinen, waren die Betten leider mit ihren ca. 1m80 nicht besonders lang, so dass entweder die Füße, Knie, Hände oder Ellenbogen das Netz während der Nacht berührten. An sich nicht schlimm, wenn man nicht bedenkt, dass die hiesigen Mücken sehr tückisch sind: Sie schaffen es genau diese Körperstellen zu finden und dort zig Stiche zu verteilen. Entsprechend fanden wir des morgens gut und gerne mal 10 oder mehr Mückenstiche an einer Stelle. Schnell entstand die Idee, wir könnten Bettflöhe in den Matratzen haben. Diese Theorie wurde allerdings dank Sophie's "Matratzentest" schnell verworfen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns entweder nachts gut in einem Bettlaken einzuwickeln oder so klein wie möglich ins Bett zu legen.

Gemeinsam haben wir ein Badezimmer bestehend aus zwei Duschen und zwei Toiletten genutzt. Schon bei unserer Ankunft wurden wir direkt mit den hiesigen Versorgungsproblemen, die uns von nun an ein Jahr begleiten werden, konfrontiert - aus den Wasserhähnen und Duschköpfen kam kein einziger Tropfen Wasser. Dies blieb auch während unseres gesamten Aufenthaltes in Dar es Salaam so. Wir haben unser Wasser aus großen Tanks vor dem Haus oder aus zwei Wasserhähnen auf der anderen Seite des Hofs mit großen Kannistern holen können. Da wir alle das gleiche Schicksal geteilt haben, hat man sich recht schnell daran gewöhnt, dass die Dusche nicht in der uns bislang üblichen Art und Weise funktioniert: Wir haben in die Duschkabinen große Wasserkübel gestellt aus welchen wir mittels halbierten Plastikflaschen Wasser geschöpft haben, womit wir uns schließlich gewaschen haben. Zwischenzeitlich - für ca. 10h - gab es wieder Wasser, was wir daran erkennen konnten, dass unser Badezimmer teilweise überschwemmt war: Die Spülung einer der beiden Toiletten war defekt, so dass ständig Wasser nach und entsprechend über lief.

In der Universitätsmensa konnten wir täglich unsere Mahlzeiten einnehmen, zu welchen es folgende Speisen gibt:
Zum Frühstück gab es Mandazi - Berlinerähnliche frittierte Teigbällchen (ohne Füllung) - oder Chapati - Pfannkuchenartige Teigplatten. Beides ist vom Geschmack her eher neutral - wenn man mal von den Fettmassen absieht - gewinnt aber in Kombination mit dem vollkommen überzuckerten schwarzen Tee - Chai, Kisuaheli für Tee, schmeckt sehr würzig und gut, wenn man die Zuckerdosierung selbst vornehmen kann - schnell an Geschmack.

Mittags und Abends gibt es tagein tagaus folgende Gerichtsmöglichkeiten: Reis, Ugali oder Kochbananen mit Gemüse, Fisch oder Fleisch. Ugali ist ein für Tanzania typischer 'Maisbrei' mit sehr fester Konsistenz - diese feste Konsistenz hat den Hintergrund, dass hier überllicherweise mit den Händen/Fingern gegessen wird, so dass sich dieser Maisbrei besser in etwas festerer Form essen lässt. Kochbananen sind eine bestimmte Bananensorte, die vollkommen grün sind und in gekochtem Zustand ein wenig wie Kartoffeln schmecken abgesehen von der Form auch ihre Konsistenz besitzen. Der Reis - Wali im Kisuaheli - schmeckt besonders gut, leider hat es sich schnell herausgestellt, dass man diesen besser nicht kaut sondern zwischen Zunge und Gaumen lediglich zerdrückt, wenn man besser keine Zahnprobleme bekommen möchte. Da der Reis hier nicht wie für uns maschinell gereinigt und verpackt wird, sondern von Hand aus großen Säcken mit Hilfe von Schüsselchen portioniert wird und anschließend auf großen geflochtenen Tabletts von Steinchen bereinigt wird, bleiden mal mehr, mal weniger, abhängig von der gekauften Reisqualität, Steinchen im Reis über. Diese werden selbstverständlich mitgekocht... Das Gemüse besteht in der Regel aus zwei verschiedenen Sorten Gemüse: zum einen aus dicken Bohnen, die in einer Kokosnushaltigen Soße gegarrt und anschließend gegessen werden, sowie Spinatartiges Gemüse, was sehr bitter schmeckt und - meiner Meinung nach - nicht besonders gut. Das Fleisch, sollte man sich doch ein mal für eine Abwechslung zu "Wali na Mboga" (Reis mit Gemüse) entschieden haben, wird minimalistisch verteilt. Man bekommt 2-3 kleinste Bröckchen Knochensplitter-, Haut- und Fetthaltige Fleischstückchen. Der Fisch wird hier im Ganzen ohne jegliche Vorarbeit gegart und zum Verzehr auf den Teller gelegt. (Hierzu bei Gelegenheit mehr)
Wer die oben genannten Hauptspeisenvariationen absolut nicht mehr sehen kann und Abwechslung braucht, kann in der Regel auch Chipsi plaini oder auch Chipsi kavu genannt oder Chipsi ma yai bestellen, beides gibt es auch wahlweise mit kleinen (KLEINEN) Fleischspießchen. Chipsi plaini/ Chipsi kavu sind ganz simpel einfach nur Pommes, die hier aus frischen Kartoffeln hergestellt werden. Chipsi ma yai sind jene Pommes, die zusammen mit 2 Eiern in einer Pfanne beidseitig zu einer Art Omlett/Bauernfrühstück gebraten werden.

Da wir in kleinen Zimmern wohnten und kaum bis keinen Platz hatten, um unsere Koffer zu leeren, habe ich nur aus einem meiner beiden Koffer gelebt. Dementsprechend waren die Kleidungskapazitäten recht schnell erschöpft, so dass gewaschen werden musste. Wir hätten unsere Wäsche für 300 TShs pro Stück waschen lassen können. Aber das erste mal von Hand in einem Eimer zu waschen wollte ich schon selber machen. So haben wir nach ca. 5 Tagen einmal quer über den kompletten Flur eine Wäscheleine gespannt auf der von nun an täglich diverse Kleidungsstücke zum trocknen hingen.

Abends haben wir uns auf das Dach des Gebäudes gesetzt und dort unter, trotz Stadtlicht, schönem Sternenhimmel und bei toller Aussicht in Richtung Stadt viel Zeit verbracht, uns unterhalten oder auch einfach nur den Ausblick bei Musik genossen.

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